Fredericia - ein Stück dänische Geschichte

Bis 1650 war hier nur ein Stück Land, das an der schmalsten Stelle des Kleinen Belts lag. Nach einigen verlorenen Kriegen, nicht zuletzt dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), sollte die Halbinsel am Kleinen Belt befestigt werden. Dänemark hatte wieder einen Krieg verloren, und König Frederik III. beschloss, etwas Endgültiges zu unternehmen. Bersodde, wie das gebiet damals hieß, war der ideale Standort für eine Festungsstadt. Mit einer Küste an zwei Seiten ließ sich die Stadt mit relativ wenigen Kilometern Wall schützen.

Bau der Wallanlage
Der König setzte 5.000 Mann zum bau des Walles ein. Vor der Fertigstellung kam jedoch ein neuer Krieg mit Schweden dazwischen. Als die Schweden abgezogen waren, wurden Stadt und Wall wieder aufgebaut. Nun fehlten nur noch Bewohner in der befestigten, aber menschenleeren Stadt. Es wurde überlegt, die Bürger von Vejle zwangsweise umzusiedeln, aber sie kamen mit dem Schrecken davon. Stattdessen wurden die Einwohner der nahe gelegenen Dörfer Hyby, Hannerup und Ullerup gezwungen, hinter die Wälle zu ziehen. Die meisten waren Bauern, und es war – diplomatisch gesagt – unbeliebt, in der Stadt zu wohnen und die Felder außerhalb der Wälle bestellen zu müssen. Aber natürlich setzte der König seinen Willen durch.

Eine neue Stadt ohne Bewohner
Es fehlten ihm aber noch immer Bewohner. Um Menschen anzuziehen, vergab er eine Reihe von Privilegien. Unter anderem waren das Steuerfreiheit, kostenlose Baugrundstücke, Amnestie für Kriminelle, Asylrecht, Zollfreiheit, Religionsfreiheit (die damals keine Selbstverständlichkeit war) und andere Lockangebote. Der Religion wegen zog das Juden, französische Hugenotten (Protestanten), Katoliken und andere an. Nebenbei brachten die Neubürger auch neue Feldfrüchte mit nach Fredericia, wie die Stadt inzwischen hieß. Die Zuzügler – fraglos ein bunter Haufen – brachten u. a. Tabakpflanzen, Kartoffeln und Weizen mit.

Ein einzigartiger Straßen- und Stadtplan
Innerhalb der Wälle wurden die Straßen wie ein ”militärisches Schachbrett” mit zentralen Plätzen angelegt. Diese Plätze und die schnurgeraden Straßen hatten große militärstrategische Vorteile. Wenn ungebetene Gäste kamen, konnten die Truppen sehr schnell an die Wälle gelangen. Innerhalb der Wälle wurden keine hohen Gebäude oder Türme errichtet – auch keine Kirchtürme. So bot man dem Feind keine ”Zielscheiben”!
Der König hatte ohnehin große Pläne mit Fredericia, und zeitweise war die Stadt als Dänemarks neue Hauptstadt im Gespräch. Nach dem Krieg gegen Schweden im Jahr 1657, mussten die ehrgeizigen Pläne in die Schublade, und Fredericia sollte nun Dänemarks wichtigste Stadt nach Kopenhagen werden. Die Straßennamen wurden entsprechend feudal gewählt: Kongensgade, Dronningens Gade, Prisens Gade, Prinsessegade, Købmagergade, Gothersgade – Namen, die es auch in Kopenhagen gibt.

Was hat Fredericia mit Venedig zu tun?
Die Pläne von Frederik III. hatten nicht nur militärische Ziele. Die Stadt sollte dem übrigen Europa auch Reichtum und Macht des Königs zeigen. An vielen anderen Orten Europas versuchten Könige, Kaiser und andere brave Leute, sich gegenseitig an Pomp und Pracht zu übertreffen. Frederik III. beschloss, als seinen Trumpf das Kanalsystem von Venedig zum Vorbild zu nehmen. Fredericia sollte Kanäle bekommen! Weniger war nicht genug. Es gibt Zeichnungen über die vorgesehene lage der Kanäle in Fredericia. Bei einem Besuch in der Stadt wollte der König zu Schiff bis zu den großen Plätzen der Stadt gelangen können – u. a. zum heutigen Axeltorv.
Leider waren – wie so oft – die Ideen größer als die Kasse. Das Geld reichte ganz einfach nicht.

Die Schlacht bei Fredericia
Als Festungsstadt ist Fredericia mehrmals angegriffen worden. Das wichtigste Stück Kriegsgeschichte der Stadt fand beim Ausfall von Fredericia am 6. Juli 1849 statt. Dänemark befand sich im Krieg mit Schleswig-Holstein, deren Truppen die Wälle von Fredericia belagerten. Eigentlich sah es für die Dänen schlecht aus, aber einige Generäle hatten einen wagemutigen Plan entwickelt, der das Kriegsglück wenden sollte.
Etwa 22.000 Soldaten des schleswig-holsteinischen Heers waren Generalmajor Rye und seinen Leuten nordwärts gefolgt. Bei Alsen befand sich eine entsprechende Truppe Schleswig-Holsteiner gegenüber Generalmajor de Mezas Heer. Der Feind wusste nicht, dass Generalmajor Rye und 4000 Soldaten bei Helgenæs auf ein Schiff gingen, an der Küste entlang zurücksegelten und auf Fünen an Land gingen. Generalmajor de Meza zog ebenfalls 5000 Mann ab und segelte mit ihnen nach Fünen. Von dort aus sollten die Truppen von Strib den kurzen Weg über den Kleinen Belt nach Fredericia gebracht werden, wo sie innerhalb des Walls an Land gehen konnten.
Die Verstärkung der Festung durch zusätzliche Truppen blieb bei den Schleswig-Holsteinern aber nicht unbemerkt. Sie wussten aber nicht, wie viele Soldaten sich nun in der Festung befanden. Die dänischen Generäle hatten auch einen weiteren Trumpf im Ärmel: Sie wollten nachts angreifen, was zu jener Zeit unerhört war.
Im Schutz der Dunkelheit am 6. Juli 1849 stürmten die dänischen Truppen aus den Toren im Wall und griffen an. Der Überraschungsangriff gelang, und trotz hoher Verluste auf beiden Seiten wurde dies ein historischer Sieg für das dänische Heer. Der Ausfall von Fredericia wurde einer der wichtigsten dänischen Siege. Heute sind Plätze, Straßen und Denkmale in Fredericia nach den vier wichtigsten Führern der Schlacht benannt: General Bülow, General Rye, General de Meza und Oberst Lunding.

 

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